Warum sie keine Clone Consultants brauchen

Nicht das sie denken, ich hätte etwas gegen Berater. Ich kenne viele Berater, die ihren Kunden einen exzellenten Mehrwert bieten. Vielmehr möchte ich einen Typ beschreiben, den ich Clone Consultant nenne. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er in erster Linie auf einen Nachfolgeauftrag schielt und seinen eigentlichen Job vergisst. Alles was wir sonst schätzen wie fachliche Kompetenz, Empathie und Ergebnisse trifft auf diese Clones nicht zu. Sie verdrängen beispielsweise unternehmensinterne Experten, die meistens genug Kompetenz und Engagement besitzen, um Herausforderungen zu lösen.

Was sind Kennzeichen von Clone Consultants?

  • Clones folgen einem vorgegebenen Beratungsmuster und sind nicht zu aufgabenspezifischen und innovativen Lösungen fähig; deshalb sind sie Clones
  • Der Kundenauftrag ist Nebensache; das Wort Kundenorientierung steht nur im Angebot. Eigene Gewinnmaximierung steht im Vordergrund
  • Sie sind vordergründig freundlich und spielen trotzdem ihr eigenes Spiel
  • Clevere Clones lassen ihre Arbeit durch die internen Experten erledigen
  • Clones sind gute Selbstdarsteller und zeigen anderen gegenüber keinen ehrlichen Respekt
  • Sie verwenden viel Zeit für Small Talk um daraus für Folgeaufträge wichtige Informationen zu generieren
  • Wenn Fehler geschehen, sind die internen Mitarbeiter dafür verantwortlich

Aber weg von dieser unerfreulichen Aufzählung hin zu meinen realen Praxiserfahrungen:

Ein führendes Unternehmen der Verlagsbranche

Ein Projekt, durchgeführt von einer der führenden Unternehmensberatungen, wurde gestoppt.  Ich habe die Projektleitung für das Nachfolgeprojekt übernommen. Wir waren bekannt für unsere Kunden- und Umsetzungs- orientierung. Deshalb haben wir mit vielen Mitarbeitern Interviews geführt. In der Logistik waren einige der Mitarbeiter erstaunt und haben gefragt: „Sind Sie an unserer Meinung interessiert? Ihre Vorgänger sagten, dass sie erstmal 20% der Mitarbeiter entlassen. Dann würden sie Fragen stellen“.

Sanierung einer Tochtergesellschaft

In einem Restrukturierungsprojekt eines DAX-Konzerns wurden 50 % der Belegschaft (800 Mitarbeiter) einer Tochtergesellschaft entlassen. Das Projekt wurde von einem Beratungsunternehmen unterstützt. Sehr junge Berater parkten ihre edlen Autos direkt vor dem Eingang. In einem ersten Schritt hatten wir Maßnahmen geplant, die zu einem sofortigen Geldeingang oder zu sofortigen Kosteneinsparungen führen sollten. Ein Berater schlug vor, dass die Vertriebsmitarbeiter mehrerer Tochtergesellschaften regelmäßig miteinander sprechen sollten. Den monetären Effekt konnte er nicht quantifizieren. In einer Situation, in der die Arbeitnehmer um ihre Arbeitsplätze kämpfen mussten, war dieser Vorschlag, vornehm ausgedrückt, nicht qualifiziert und hatte keine messbaren unmittelbaren Auswirkungen. Heute stellt das Unternehmen wieder Mitarbeiter ein. Dies war im Wesentlichen eine Leistung der internen Experten und nicht der Berater.

Komplexe ERP-Migration

Ein im MDAX gelistetes Unternehmen hat letztes Jahr seine ERP-Software migriert. Der Berater eines großen Beratungsunternehmens hat die Projektleitung übernommen. Diese Aufgabe hat er nur in der Rolle eines Moderators durchgeführt. Ein koordinierter Meilensteinplan war nie verfügbar. Für viele Teilnehmer war das Projekt völlig intransparent und die meisten Beteiligten kannten sich überhaupt nicht. Dann wurde klar, dass dieser Berater sich um Folgeprojekte kümmerte und weitere Berater einstellte. Glücklicherweise wurde dieser Berater durch eine interne Mitarbeiterin ersetzt. Kurz vor dem Ende des Projekts hat sie viel Mühe in die Strukturierung des Projekts gesteckt, alle Beteiligten an Bord geholt und das Projekt erfolgreich abgeschlossen. Julia, gut gemacht.

Es wird wahrscheinlich viele Mitarbeiter in Unternehmen geben, die ähnliche Erfahrungen mit Clone Consultants gemacht haben. Dabei ist es ganz oft der Fall, das die Mitarbeiter im Unternehmen alle nötigen Fachkenntnisse hatten. Loyalität und Engagement kommen noch dazu. 80 % der extern vergebenen Beratungsaufträge könnten durch die Führungskräfte und Mitarbeiter selbst erledigt werden. Manchmal sind aber Herausforderungen zu lösen, die besondere Qualifikationen benötigen. Glücklicherweise gibt es dafür Berater, die ein anderes Berufs- und Arbeitsethos haben als Clones. Diese arbeiten gemeinsam mit den internen Experten professionell im Team zusammen und erzielen die nötigen Ergebnisse.